Wenn ein Baby zur Welt kommt, schreit es. Fast ausnahmslos jedes (gesunde) Neugeborene tut das. Mehr oder weniger intensiv. Wenn morgens dein Wecker klingelt, um dich in den neuen Tag zu holen, hüpfst du in den seltensten Fällen sofort freudig tanzend, ein Musical singend, aus dem Bett. (Je mehr du dich aber auf deinem Weg befindest und kein Sklave mehr zur unfreiwilligen Erfüllung von Fremdwünschen bist, desto eher wirst du das tun. Außer das mit dem Musical. Das wäre ja albern.)
Würde das Baby kurz vor der Geburt lieber sterben, anstatt jetzt das notwendige Prozedere durchzustehen? Würdest du tatsächlich lieber für immer im Bett liegen bleiben, anstatt irgendwann einmal aufzustehen? Oder weißt du inzwischen, dass der Morgen für dich nun einmal so anfängt, du aber durchaus gelernt hast, was es bedarf, um den Tag gut zu gestalten?
So ist es auch mit dem Erinnern. Ja, sich zu erinnern ist nichts für Weicheier. Es gibt unzählige, wie ich es nenne, "Wohlfühlliteratur". Pseudospirituelle Werke, die ganz sanft an der Oberfläche streicheln, vielleicht mal hier, mal da leicht kitzeln, aber selten auch nur kratzen, geschweige denn, tiefe, aber notwendige "Operationen" durchführen, die tatsächlich Veränderungen bewirken könnten.
Da wird der Leser gerne über duftende Blumenwiesen geführt, bis ihm an einem Wasserfall ein regenbogenfarbenes Einhorn zuflüstert, er müsse doch nur einmal den blauen Himmel richtig anschauen, um zu begreifen, dass alles ganz wundervoll ist.
Wohlfühlen wollen wir uns alle. Wenn das ein Buch schafft, kann es doch nicht verkehrt sein, oder? Nein. Aber vielleicht hilft es auch nur soviel und solange wie ein Schnaps. Der macht nämlich dasselbe.
Oder andere Ratgeber bestätigen ihre Leserschaft gerne ganz schmeichelhaft darin, dass sie selbst, so wie sie sind, ganz wundervoll sind, sie absolut nichts an sich zu verändern brauchen und dass das Problem ohnehin meist in der Intoleranz und Rückständigkeit der Umgebung zu finden sei.
Okay. Ich überspitze es hier wirklich ein wenig. Aber es wird klar was ich meine: Wenn Medizin nicht bitter ist, eine OP nicht wehtut, die Wunde nicht in Ruhe heilen darf und du sowieso gar nicht vor hast, gravierende Dinge (und/oder Denkweisen) auf den Prüfstand zu stellen, dann gehe bitte auch nicht von entscheidenden Veränderungen in deinem Leben aus. (Mehr zu dieser wichtigen spirituellen Wahrheit erfährst du zum Beispiel in C.S. Lewis' Buch "Über den Schmerz")
Was wäre, wenn du auf Erkenntnisse stießest, die dein Denken von der Haben-Mentalität eher zur Sein-Mentalität lenken würden? (Wärst du nicht schon so weit, würdest du das hier vermutlich gar nicht lesen)
In dem Fall könnte es passieren, dass du deine bisherigen Ziele und auch manche Errungenschaften auf einmal gar nicht mehr in dem Maße wertschätzt wie zuvor, dafür aber ein Defizit bemerkst, in diesem Fall im Sein, und du deine weiteren Ziele, Träume und Pläne überdenken müsstest (weil du sie dann auch selbst überdenken wolltest).
Oder stell dir vor, du schimpfst bisher zwar schon kräftig über Politiker, sowohl über die in deinem Land, als auch über die globalen. "Alle gierig und korrupt. Und blöd noch obendrein! Alle Sternzeichen Arschloch, Aszendent Kotzbrocken!"
Noch glaubst du vielleicht, dass eine andere Partei es deutlich besser machen würde, oder es vor allem drei oder vier großer, politischer Korrekturen bedürfe, um eine deutliche Verbesserung zu bewirken. Aber was, wenn du auf Erkenntnisse stießest, die dir zeigten, dass das Versagen der Politik generell im Versagen des Menschen (so wie er aktuell noch ist) zu finden sei. Dass sich also zunächst der Mensch an sich verändern (erinnern?) müsste, bevor Politik überhaupt eine reelle Chance hat.
Du würdest vielleicht ein Gefühl der Überwältigung bekommen. Wo soll man da bloß anfangen? Eine gute Frage!
Denn genau hier beginnen die vom Hinsehen schmerzenden Augen weniger wehzutun. Jetzt beginnt die OP Wunde zu heilen, das Baby fängt an zu lächeln und der Kreislauf am Morgen ist hochgefahren.
Anstatt unendlich vieler Baustellen gibt es tatsächlich nur eine einzige. Wir müssten nicht Fremdenhass, Sexismus, Korruption, Gier, Krieg, Umweltzerstörung, Missbrauch, Machthunger, ... und all die Millionen anderer Missstände einzeln bekämpfen. Sondern primär eine einzige Sache heilen, indem wir sie versorgen.
Gegen etwas zu kämpfen, funktioniert ohnehin nicht. Doch immer wieder begehen Menschen diesen Fehler, egal wie gut die Absicht sein mag. Aber sich auf die Beseitigung des Alten (Falschen) zu fokussieren, versorgt eben jenes nur weiter mit Energie. Man sollte sich stattdessen auf die Erschaffung des Neuen (Richtigen) konzentrieren, damit Transformation geschehen kann.
Gegen jedes einzelne Unrecht, wie zum Beispiel die eben erwähnten, vorzugehen, entspricht dem Besprühen verschimmelter Äpfel an einem kranken Apfelbaum mit wiederum giftigem Fungizid: Es ist eine Sisyphos-Arbeit. Ein Fass ohne Boden. Die befallenen Äpfel sind nicht zu zählen und etwas Krankes mit Gewalt heilen zu wollen? Wirkt ziemlich verzweifelt und entsprechend aussichtslos.
Was wäre, wenn all die ungenießbaren und ihren Nächsten ansteckenden und krankmachenden Äpfel daher rühren, dass die Wurzel des gesamten Baumes krank ist und sie ihre Früchte nicht mehr mit dem Nötigen versorgen kann? Richtig. Man bräuchte lediglich diese eine Wurzel zu fokussieren und zu kurieren. Alles Weitere würde folgen. Denn der Baum lebt. Er weiß, auf welchen Wegen und durch welche Ver
zweigungen Versorgung zu geschehen hat, um seine Früchte zu erreichen. Heilung aller Früchte durch die eine gesunde Wurzel. Quasi von selbst.
Zu erläutern, warum das so ist, würde hier den Rahmen sprengen. Es hat mit Kausalitätskette zu tun. Mit dem mangelhaften "Baum der Welt" (der unter anderem auf der Haben-Mentalität basiert) im Gegensatz zum "Baum des Lebens", also des Seins, der auf dem von Wissen getragenen Wunsch basiert, Sättigung im Wachstum des Seins in Richtung wahrhaftiger Liebe zu finden.
Das neue (Bewusst)Sein hat es in der Welt, wie sie noch ist, nicht ganz so leicht. Denn die Menschen sind seit vielen, vielen Jahren auf einem gänzlich anderen Weg. Jener ist für andere, diesen Weg-Feiernde oder zumindest "Mitlaufende" konzipiert. Für jene gibt es eine Menge Jobs, Anerkennung, Achtung, Geld und Schultergeklopfe. Für sich Erinnernde sieht das noch ein wenig anders aus ...
Doch dieses sehr reale und wichtigste aller "Spiele" zu spielen ist extrem spannend, erfüllt dich mit so viel Sinn, dass mehr nicht möglich ist. Und du findest neue Skills, Mitmachende und spirituelle Mechanismen, die dir zur Verfügung stehen werden.
Fazit: Ja, sich zu erinnern kann erst einmal "wehtun", erschrecken, kurz auch schwindelig machen, den Boden verlieren lassen. Aber dann entsteht neues Leben. Und das wird lebendiger sein als je zuvor.
Es wird auch turbulenter. Aber es ist echt! Und es macht vor allen Dingen Sinn. Es gibt dir Sinn. Und du bist nicht alleine. Mindestens das WorldTeam ist für dich da. Und falls du selbst Recollector werden möchtest, findest du sowieso auch immer wieder neue, zu dir passende Leute.
Rote oder blaue Pille. Es ist deine Entscheidung.
Erste Erinnerung: Identity.
Zweite Erinnerung: Mission.
Dritte Erinnerung: Resource.